Pandemie

Kindergarten als Begleiter in der Corona-Krise

Wie Kinder durch die Pandemie kommen, hängt sehr davon ab, wie die Erwachsenen mit der Situation umgehen. Gerade Kita-Mitarbeitende sind jetzt wichtige Vorbilder und Orientierungshilfen, sagt Eva Berger vom Don Bosco Kindergarten in Vöcklabruck.

veröffentlicht am 17.03.2021

Wenige Kinder, kleine Gruppen und virtueller Kontakt per Video und Telefon. So lässt sich der Notbetrieb im Frühling 2020, zu Beginn der Pandemie, gut beschreiben. Ein Jahr später sind die Gruppen in den österreichischen Kinderbildungs- und -betreuungseinrichtungen wieder zur Gänze voll. Pandemie hin oder her. Das stellt alle Beteiligten vor Herausforderungen. Der pädagogische Alltag per se hat sich allerdings nicht gravierend verändert. Ankommen, sich in der Gruppe einfinden, Kontakt zu anderen Kindern aufnehmen, gemeinsam spielen, in den Garten gehen – der Tagesablauf ist so vertraut wie vor der Krise. Er gibt Halt und Sicherheit.

Was sich allerdings verändert hat, sind gewisse Rituale. War es vorher oft üblich, sich die Hand zur Begrüßung zu reichen, wurden jetzt Alternativen gefunden. Winken, sich zunicken, eine Berührung mit dem Ellbogen oder dem Fuß. Das Händewaschen zieht sich wie ein roter Faden durch den gesamten Tag. Die vorgegebenen Hygienerichtlinien erfordern auch einen Abstand, unter anderem, wenn die Kinder gemeinsam essen oder spielen. Bei bis zu 25 Kindern in der Gruppe eine Herausforderung. Und meiner Meinung nach selten machbar. Die Strukturen wie Raumgröße, Anzahl der Kinder in den Gruppen und das natürliche Spiel des Kindes sind nicht kongruent mit Abstandsregeln im Kindergarten. Die Bildungsbiografie unserer Kinder beginnt in der Krabbelstube und im Kindergarten. Deshalb braucht der Bereich der Elementarpädagogik bei der Diskussion um die Auswirkungen der Corona-Pandemie genauso viel Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit wie jeder andere. Das würde ich mir für Österreich wünschen.

Die Bedürfnisse der Kinder stehen im Mittelpunkt 

Im Mittelpunkt der Krabbelstuben, Kindergärten und Horte steht das Kind mit seinen Bedürfnissen. Und darauf reagieren die pädagogischen Fachkräfte. Es geht um Freundschaften zwischen den Kindern. Es geht um die Erfahrung, Kompromisse eingehen zu müssen. Die Kinder lernen durch die Begleitung von Pädagoginnen und Pädagogen, Konflikte lösungsorientiert anzugehen. Kinder entdecken die Welt und lernen im Spiel, sich in ihr zurechtzufinden. Der Kindergarten bietet dafür einen Rahmen, in dem die Kinder ihren Themen und Interessen mit Begeisterung nachgehen können.

Vielleicht sehen die kindlichen Bedürfnisse durch die Pandemie anders aus. Da geht es plötzlich um Viren, die so klein sind, dass man sie nicht einmal sehen kann. Und trotzdem sind sie eine Gefahr für Menschen. Kinder spüren im Umfeld die Veränderungen und haben Angst davor. Ob und wie sehr Kinder die momentane Situation als belastend empfinden, hängt stark davon ab, wie Erwachsene in ihrem Umfeld reagieren. Sie sind Vorbild und Orientierungshilfe für Kinder. Pädagogisches Fachpersonal ist also gefordert, mit viel Feingefühl auf die Sorgen der Kinder zu reagieren. Über Gefühle sprechen, der Angst einen Namen geben und versuchen, die Situation gemeinsam zu verstehen. Aber auch Eltern teilen ihre Gedanken und Sorgen mit dem Personal. Im Sinne einer gelungenen Bildungspartnerschaft gibt es auch dafür ein offenes Ohr und Gesprächsmöglichkeiten.

Tatsache ist: Egal ob in krisenhaften Zeiten oder in Zeiten der Ruhe und des Friedens – Kinder brauchen Erwachsene, die ihnen Sicherheit bieten, die ihnen mit Herzlichkeit begegnen, ihre Sorgen ernst nehmen und Begleiter und Begleiterinnen auf Augenhöhe sind.

Eva Berger

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