Vermächtnis der Seele
Spuren hinterlassen – Wie wir unseren Lieben in Erinnerung bleiben können
In unserem Leben sammeln sich viele Gegenstände an, die nach dem Tod an uns erinnern. Noch wichtiger können Gedanken, Gefühle oder Werte sein, die wir unserer Familie und unseren Freunden zurücklassen – und die sie in ihrem Herzen bewahren können.
veröffentlicht am 20.02.2026
Was ist es, an das wir uns erinnern, wenn wir an einen verstorbenen Menschen denken? Welche Gefühle oder Bilder entstehen in unserem Kopf? Vielleicht ist es die Armbanduhr, die die Oma täglich trug, oder den Geruch von Apfelkuchen aus ihrer Küche. Möglicherweise denken wir an das eine Sprichwort, das der Vater immer sagte, oder an Opas alten Fernsehsessel. Es kann eine gemeinsame Reise sein, ein Ritual oder eine Tätigkeit, die wir für immer mit der Person verbinden und sie vor unserem inneren Auge lebendig werden lässt.
Welche Spuren wir bei anderen hinterlassen und was ihnen von uns im Gedächtnis bleibt, haben wir nicht unbedingt in der Hand. Wir können ihnen einzelne Gegenstände vermachen und ihnen Worte und Gedanken, die uns wichtig sind, mit auf den Weg geben. Vor allem aber können wir bewusst so leben, wie es uns entspricht. Die Erinnerung daran wird weiterleben.
Gemeinsame Erlebnisse
Zu den schönsten Erinnerungen gehören gute Zeiten, die wir miteinander verbracht haben. Urlaube, Familienfeiern, Wanderungen, Theater- oder Konzertbesuche, Gespräche, Mahlzeiten oder auch einfach gemeinsames Werkeln in Haus oder Garten – Erlebnisse wie diese schweißen zusammen und sorgen für Bilder, die uns im Gedächtnis bleiben. So wird die gemeinsame Zeit zu einem unvergesslichen Erbe.
Gegenstände und Immobilien
Ob Möbel oder Fotos, Kleidung, Schmuck oder Häuser – am Ende des Lebens bleiben oft sehr viele Dinge übrig, die dann sortiert und verwertet werden müssen. Wer möchte etwas haben? Was kann verschenkt oder verkauft werden? Was kommt auf den Müll? Beim Verteilen wird oft schnell klar: Materielles kann auch einen emotionalen Wert haben. Wer möchte, kann schon zu Lebzeiten bestimmte Gegenstände weitergeben – oder im Testament verfügen, welche Personen sie später bekommen sollen.
Rituale und Traditionen
Die kurze Andacht am Morgen, das Likörchen nach dem Abendessen, die wöchentliche Skatrunde mit den Freunden – auch Rituale prägen Menschen und die Erinnerung, die wir an sie haben. Auch wenn wir die Rituale und Traditionen nicht übernehmen, erinnern sie uns doch immer wieder an die Person, der sie so viel bedeutet haben.
Worte und Gedanken
Manche Sätze oder Gespräche, die wir mit einem Menschen geführt haben, bleiben uns nachhaltig in Erinnerung. Wer der Nachwelt ein geistiges Erbe hinterlassen möchte, kann dies schriftlich tun oder auch Audio- oder Videoaufnahmen erstellen. Ob es allgemeine Lebensweisheiten oder Erkenntnisse sind, Zukunftswünsche an den Leser oder die Leserin oder eigene Erfahrungen und Geschichten – es gibt kaum eine persönlichere und direktere Form der Ansprache an die Hinterbliebenen.
Haltungen und Werte
Mehr noch als mit Worten zeigen unsere Taten, was uns wirklich wichtig ist im Leben. Im besten Fall können wir anderen ein Vorbild sein und so bewusst Spuren für die Zukunft legen. Welche Werte wir weitergeben wollen, zeigt sich beispielsweise daran, wie wir mit Fehlern umgehen, wie wir Konflikte lösen, wie wir Grenzen setzen, wie wir lieben, wie wir mit Herausforderungen umgehen, wofür wir uns einsetzen. All das fügt sich zusammen zu einem Vermächtnis unserer Seele.
Selbstgemachte Erinnerungsstücke
Einige Menschen gestalten bewusst Erinnerungen für ihre Lieben wie zum Beispiel Erinnerungskisten, Briefe an die Zukunft, Foto-Sammlungen oder Geschichtenbücher. Bei unseren Bastel-Tipps finden Sie kreative Ideen für Erinnerungsstücke zum Selbermachen. Und wir haben einen Vater getroffen, der kurz vor seinem Tod ein Familienhörbuch für seine Tochter aufgenommen hat.
Verhalten und Eigenschaften
Oft sind es kleine Gesten, die einen Menschen für uns unvergesslich machen. Wie die Oma beim Lesen die Brille auf der Nase zurechtrückt. Wie die Mutter den Kindern abends auf dem Sofa ein Buch vorliest. Wie der Vater stolz seine Spezial-Kürbissuppe abschmeckt. Wie der Opa beim Fußball vor Begeisterung vom Sofa springt. Wie eine Person lacht, läuft, singt oder tanzt. Wie sie spricht oder zuhört. „Wie die Oma“, heißt es dann vielleicht später einmal, wenn die Enkelin ihre Brille verschiebt.
Familien-Geschichten
Weißt du noch …? Hast du gewusst, dass …? Erinnerst du dich an …? Manche Familiengeschichten sind legendär und werden von Generation zu Generation weitergetragen – ein Stammbaum aus Erinnerungen. In manchen Familien sind es auch bestimmte Märchen oder Sagen, die man sich weitergibt. Oder biblische Geschichten, die erzählt oder vorgelesen werden.
Testament und Erbe
Ein Testament gibt uns die Möglichkeit, unseren Nachlass bewusst zu gestalten. Wir bestimmen, wer was und wieviel erhalten soll, entsprechend unseren persönlichen Beziehungen und Wünschen. So können wir zu Lebzeiten bestimmen, was nach unserem Tod von uns bleibt und weiterwirkt. Auch für unsere Angehörigen ist es eine Hilfe, wenn ein Testament vorliegt. In unserem Beitrag finden Sie Informationen und Hilfestellungen zu Nachlassgestaltung und Testamentserstellung.
Glaube und Spiritualität
Mit unserem Leben können wir auch eine Art Glaubenszeugnis hinterlassen. Denn es vermittelt eine konkrete Vorstellung davon, wie wir das Evangelium verstehen und zu leben versuchen – oder welchen anderen religiösen oder spirituellen Zugang wir zur Welt und zum Leben haben. Für Christinnen und Christen sind die Worte Jesu aus der Bergpredigt „Sammelt euch nicht Schätze hier auf der Erde […], sondern sammelt euch Schätze im Himmel“ (Matthäus 6,19–20) ein Auftrag, nicht nach irdischen Gütern zu streben, sondern nach anderen, wichtigeren Werten – in der Hoffnung auf ein ewiges Leben bei Gott.






