Sakramente

Kurz erklärt: Was die Taufe bedeutet

Viele Eltern wünschen sich für ihr Kind den besonderen Schutz und Segen Gottes und lassen es taufen. Doch was steckt eigentlich hinter diesem Sakrament?

veröffentlicht am 05.10.2022

Warum ist die Taufe das wichtigste Sakrament?

Die Taufe ist das erste Sakrament, durch das ein Mensch in die Gemeinschaft der Kirche und somit auch in die Glaubensgemeinschaft der Christen aufgenommen wird. Sie ist Voraussetzung, um die weiteren Sakramente zu empfangen. Darüber hinaus – und das ist eigentlich das Wichtigste – ist sie die erste Begegnung mit Gott in einer symbolischen Handlung. Und: Die Taufe kann nicht rückgängig gemacht werden. Sie hat einen unauslöschlichen Charakter. Das heißt, egal, was passiert: Wer getauft ist, bleibt immer ein geliebtes Kind Gottes.

Was ist überhaupt ein Sakrament?

Das Wort an sich kommt aus dem Lateinischen „sacramentum“ und bedeutet „Heilszeichen“. Sakramente sind also besondere Zeichen, die uns zeigen sollen, dass Jesus Christus Heil zu den Menschen gebracht hat und dass Gott unser ganzes Leben begleitet. In der katholischen Kirche gibt es sieben Sakramente: die Taufe, die Eucharistie (Kommunion), die Firmung, die Ehe, die Buße (Beichte), die Weihe und die Krankensalbung. In der evangelischen Kirche zählen nur die Taufe und das Abendmahl zu den Sakramenten. Der Islam kennt keine Sakramente.

Unterscheidet sich die katholische von der evangelischen Taufe?

Egal, ob evangelisch oder katholisch: Die Bedeutung der Taufe ist in beiden Konfessionen gleich. Der Täufling wird in die Gemeinschaft der Christen aufgenommen. Wer dieses Sakrament in einer Kirche empfangen hat, gilt auch in der andere Kirche als getaufter Christ. Lediglich die Gestaltung des Taufgottesdienstes unterscheidet sich. Die evangelische Taufe ist wesentlich freier, die katholische Taufe ist umfangreicher und durchgeplanter.

War Jesus getauft?

Die Taufe ist eines der ältesten Rituale der Christenheit. Bereits zur Zeit Jesu ließen sich die Menschen von Johannes dem Täufer am Jordan taufen, weil sie ihr Leben ändern wollten. Als Zeichen für ihren Neubeginn mit Gott wurden sie ins Wasser getaucht. Und auch Jesus selbst empfing von Johannes die Taufe. Das Matthäusevangelium berichtet davon: „Kaum war Jesus getauft und aus dem Wasser gestiegen, da öffnete sich der Himmel, und er sah den Geist Gottes wie eine Taube auf sich herabkommen. Und eine Stimme aus dem Himmel sprach: Das ist mein geliebter Sohn, an dem ich Gefallen gefunden habe.“ (Matthäus 3, 16-17) Und diese Zusage, zu Gott zu gehören, erfolgt auch heute noch bei jeder Taufe.

Was haben die Taufe und Ostern miteinander zu tun?

Ursprünglich war Ostern der einzige Tauftermin. An Ostern wird gefeiert, dass Jesus von den Toten auferstanden ist. Ein Neubeginn wie in der Taufe. Da die Täuflinge in den Tagen danach ihr weißes Taufkleid anbehielten, heißt der Sonntag nach Ostern bis heute „Weißer Sonntag“. In der frühen Kirche wurden nur Erwachsene getauft und erhielten gleich drei Sakramente auf einmal: die Taufe, die Eucharistie und die Firmung. Je mehr sich das Christentum verbreitete, umso öfter kam es vor, dass sich ganze Familien mit ihren Kindern taufen ließen. Daraus entwickelte sich im Laufe des 4. Jahrhunderts die Säuglingstaufe. Da die Sterblichkeitsrate von Säuglingen damals jedoch sehr hoch war, wurde meist direkt nach der Geburt getauft und nicht erst bis Ostern gewartet. Heute werden vor allem Erwachsene noch in der Osternacht getauft.

Wann sollte man taufen?

Das hängt ganz von der persönlichen Lebenssituation ab. Viele Eltern lassen ihre Kinder in den ersten Lebensjahren taufen; andere warten, bis ihre Kinder diese Entscheidung selbst treffen können. Wer sich erst als Erwachsener taufen lassen möchte, bereitet sich in einem meist einjährigen Katechumenat intensiv darauf vor. Das heißt, dass die Taufinteressierten in dieser Zeit den christlichen Glauben von A bis Z kennenlernen und genügend Raum finden, um ihre persönlichen Fragen stellen zu können.

Wer kann alles taufen?

Die Taufe wird durch einen Priester oder Diakon gespendet. Seit März 2022 dürfen im Bistum Essen auch Frauen taufen. Die anderen 26 deutschen Bistümer haben diese Praxis noch nicht eingeführt. In einem Notfall kann übrigens jeder Mensch, selbst Ungetaufte, die Taufe spenden.

Welche Symbole gibt es bei der Taufe und was bedeuten sie?

Das wichtigste Symbol während der Taufe ist das Wasser. Meist wird der Kopf des Täuflings dreimal mit Wasser übergossen und dabei die Taufformel gesprochen: „Ich taufe dich im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.“ Das Wasser steht für Tod und Leben – in dem Sinne, Altes zurückzulassen und ein neues Leben mit Jesus Christus zu beginnen.
Weitere Symbole sind u.a.:

  • das Kreuzzeichen: Der Täufling bekommt es zu Beginn des Gottesdienstes von dem Geistlichen, seinen Eltern und Taufpaten auf die Stirn gezeichnet. Es ist sozusagen das kürzeste Glaubensbekenntnis aller Christen und Eltern können es später auch gut im Alltag integrieren, um ihr Kind zu stärken und es immer wieder daran zu erinnern, dass Gott bei ihm ist – zum Beispiel auf dem Weg zur Schule oder in der Nacht.
  • die Taufkerze: Sie wird an der Osterkerze entzündet und dem Täufling geschenkt. Sie soll das Licht Christi symbolisieren. Außerdem soll das Kind auch anderen ein Licht sein. Oft gestalten Eltern oder Paten die Taufkerze ganz individuell. Manche Familien zünden sie im weiteren Leben ihres Kindes zu besonderen Anlässen wie dem Namenstag oder dem Geburtstag an.
  • das Taufkleid: Es ist ein weißes Kleidungsstück als Zeichen dafür, dass der oder die Getaufte durch den Heiligen Geist quasi neu geboren wird und die Liebe Gottes das ganze Kind umgibt. Manchmal haben die Kinder die ganze Feier über ein weißes Kleid an; manchmal wird das weiße Kleid dem Täufling nur kurz aufgelegt. Prinzipiell ist ein Taufkleid aber kein Muss.
  • der Chrisam: Mit dieser wohlriechenden Ölmischung wird der Täufling gesalbt. Der Getaufte ist nun genauso gesalbt wie Jesus. Ein Zeichen der Verbundenheit.

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