Fest des Lebens

Was Eltern sich von der Taufe erwarten

Wegen der Corona-Pandemie musste unsere Autorin die Taufe ihrer Zwillinge verschieben. Jetzt hofft sie auf eine Feier im Sommer. Nicole Stroth beschreibt, was die Taufe für sie und ihren Mann bedeutet und wie der Festtag gestaltet werden soll.

veröffentlicht am 30.04.2021

Alles war vorbereitet. Fast alles. Das Datum stand fest, die Formalitäten hatten wir mit der Pfarrsekretärin geklärt und im Taufgespräch mit dem Priester den groben Ablauf des Gottesdienstes besprochen. Auch die Lokalität für die anschließende Feier sowie die Zimmer für die auswärtigen Gäste waren bereits gebucht. Jetzt fehlte nur noch eins: die offizielle Einladungskarte. Wir fingen zwar noch an, sie zu gestalten, brachten sie aber nicht zu Ende; denn dann kam Corona und warf unsere Pläne peu à peu über den Haufen.

Am 28. Dezember 2019 wurden wir zur Familie. Zwillinge, ein Mädchen und ein Junge. Doppeltes Glück, doppelte Arbeit und Herausforderung. Doch mein Mann und ich freuten uns vom ersten Moment an, als wir erfuhren, dass gleich zwei Babys in meinem Bauch heranwachsen. Ein Wunder der Natur und ein Geschenk, für das ich Gott jeden Sonntag in der Messe dankte. Unsere „heiße Phase“ – also die letzten Wochen vor der Geburt – fiel genau in die Adventszeit, die wir auf unsere beiden Kinder wartend so noch intensiver erlebten.

Die Kirche als Heimat und Anker

Sowohl für meinen Mann als auch für mich war von Anfang an klar, dass wir unsere Zwillinge taufen lassen werden. Wir haben das zu keinem Zeitpunkt hinterfragt – obwohl einige Krisen und Fehlentwicklungen in der katholischen Kirche durchaus Anlass dafür gäben. Doch wir sind beide, wie man so schön sagt, gut katholisch aufgewachsen und sozialisiert; und auch wenn wir mit vielen Dingen in unserer Kirche hadern, so fühlen wir uns dennoch in ihr beheimatet. Und das wünschen wir uns auch für unsere Kinder. Wir hoffen, dass sie in der Gemeinde einmal die Ankerpunkte finden werden, die wir hatten – bei meinem Mann waren es zum Beispiel die Ministranten, bei mir der Kirchenchor.

Darüber hinaus ist für uns beide der Glaube eine wichtige Stütze im Leben. Unsere Kinder sollen daher in dem Bewusstsein aufwachsen, dass Gott stets an ihrer Seite ist. Hoffentlich werden wir es schaffen, ihnen das zu vermitteln. Als wir die Taufe verschieben mussten, war es für mich ein tröstender Moment, als unser Priester meinte: „Eure Kinder stehen sowieso schon unter dem Schutz Gottes.“ Ein Satz, der immer noch in mir nachhallt.

Die Taufe beinhaltet also für uns diese beiden Aspekte: zum einen die Aufnahme in die Gemeinschaft der Gläubigen – salopp gesagt ein „Willkommen im Team!“ –, zum anderen ein erstes konkretes Freundschaftstreffen mit Jesus. (Was Taufe ist und was sie bringt)

Beim Taufgespräch ist der Priester offen und pragmatisch

Natürlich werden unsere Kinder nicht immer begeistert sein, wenn sie mit uns den Gottesdienst besuchen sollen. Welches Kind ist das schon? Aber prinzipiell wäre uns daran gelegen, dass sie sich in der Kirche wohlfühlen, dass sie sie nicht als starr, sondern ihnen zugewandt erleben. Das Taufgespräch stimmte uns daher richtig positiv. Der Priester, ein uns gut bekannter Salesianerpater, war sehr offen und in vielen Punkten einfach auch erfrischend pragmatisch: „An der und der Stelle können wir das Ganze etwas abkürzen“, meinte er. „Je nachdem, wie die beiden drauf sind. Es dauert mit Zwillingen ja doch etwas länger. Da muss man das Alles nicht unnötig in die Länge ziehen.“ Wir hatten die ganze Zeit während des Gespräches das Gefühl, dass es ihm immer um unsere beiden Kinder und ihre Bedürfnisse ging und nicht zuerst um das bloße Einhalten von kirchlichen Vorschriften und Regeln.

Auch war es ihm wichtig, Familie und Freunde gut miteinzubeziehen. Am Anfang des Gottesdienstes, schlug er zum Beispiel vor, könnten wir als Eltern die Paten vorstellen und kurz erklären, warum wir uns für sie entschieden haben. Eine schöne Idee. Jedes unserer Kinder wird zwei Paten haben – ein Familienmitglied und jemand aus unserem Freundeskreis. Bei unserem Sohn wird es der Bruder und ein Freund aus Kindheitstagen meines Mannes sein, bei unserer Tochter meine Schwester und meine beste Freundin. Familie und Freunde bedeuten uns viel – das sollte sich auch in der Patenauswahl für unsere Kinder widerspiegeln. Für uns sind die Paten nicht diejenigen, die für die großen Geschenke zuständig sind. Im besten Fall sollen sie für unsere Kinder enge Bezugspersonen werden. Erwachsene, an die sie sich wenden können, wenn sie von Mama und Papa genervt sind oder wenn sie einen Rat brauchen. Erwachsene, die für sie da sind, mit denen sie zusammen Spaß haben können, die sie aber auch trösten, wenn nicht alles so läuft wie geplant.

Kein Event, sondern Konzentration auf das Wesentliche

Wir sehen die Taufe nicht als Event an – und so wollen wir sie auch nicht gestalten. Es wird keine rosa und hellblauen Luftballons geben, keine aufwändig verzierte Torte, kein großes Brimborium. Jedenfalls von unserer Seite aus nicht. Wir wollen uns auf die Taufe und auf das Wesentliche konzentrieren – in einem Gottesdienst mit Familie und ein paar engen Freunden, in einer kleinen Hauskapelle der Salesianer Don Boscos, damit wir uns in dieser übersichtlichen Runde nicht in einem riesigen Kirchenraum verloren fühlen. Und auch bei der anschließenden Feier soll es vor allem um die Begegnung gehen – natürlich mit leckerem Essen, aber eben nicht überdimensioniert.

Für uns ist die Taufe ein erster Schritt, um unseren Kindern zu zeigen, dass Gott, Familie und Freunde sie auf ihrem weiteren Weg begleiten. Und sie sollen durch diesen Tag gestärkt werden, mutig und selbstbewusst durchs Leben zu gehen, aber nicht egoistisch, sondern immer auch auf andere achtend. Das bringt auch der Taufspruch zum Ausdruck, den wir für beide gewählt haben: „Wo Gottes große Liebe in einen Menschen fällt, da wirkt sie fort, in Tat und Wort, hinaus in unsere Welt.“ Ein Tag, an dem unsere Zwillinge, aber auch wir alle als Feiergemeinschaft diese Liebe Gottes spüren – das wäre unser Wunsch für die Taufe.

Alles ist vorbereitet. Wirklich alles. Ein neues Datum steht fest. Der Gottesdienst ist geplant, die Fürbitten sind verteilt, das Café und die Zimmer gebucht. Und auch die Einladungskarten sind dieses Mal gestaltet und bereits verschickt.


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